Freiluftausstellung: Blankenberge 750 Jahr

1. Leuchtturm

Bereits 1337 hatte Blankenberge einen Leuchtturm. Er lag zuerst auf der Ostseite der Stadt und von 1817 bis 1872 auf dem Gelände der Festungsanlage Fort Napoleon (Standort Kasino). Durch den Bau des Hafens (1861-1871) wurde der Leuchtturm auf die Westseite von Blankenberge verlagert. Der Leuchtturm, wie wir ihn heute kennen, ist 32,40 m hoch und hat 122 Stufen. Er stammt aus den Jahren 1950-51 und ersetzte den Leuchtturm, den die Deutschen am Ende des Zweiten Weltkriegs nach ihrem Rückzug vollständig zerstört hatten. Während die anderen Leuchttürme unseres Landes bereits automatisch betrieben wurden, wurde das Lichtsignal von Blankenberge bis 1984 noch täglich von Leuchtturmwärter Theophiel De Graeve per Hand angezündet. Dieser ehemalige Fischer war nicht nur der letzte Leuchtturmwärter von Blankenberge, sondern auch von ganz Belgien.

Denkmal De Stuurman of Sterken Dries

Das Denkmal des Steuermanns steht seit 1960 am Leuchtturm. Es handelt sich um einen Abguss einer Gipsskulptur, die von Guillaume Charlier 1900 angefertigt wurde. Der Steuermann stellt den Blankenberger Fischer Andries Jurrewitz aus dem 19. Jahrhundert dar, im Volksmund bekannt als "Sterken Dries" (dt.: starker Dries). Das Denkmal ist eine Hommage an die ereignisreiche Fischerei-Geschichte der Stadt und ein Moment der Stille im Gedanken an alle Blankenberger Fischer, die ihr Leben auf See gelassen haben.

Wussten Sie, dass...?

Berichten zufolge hatte der Seebär Sterken Dries vor nichts Angst außer vor ... seiner Frau Blondina Van Heetvelde.

2. Paravang

Diese imposante Windschutzscheibe stammt aus dem Jahr 1908. Die Windschutzscheibe wurde ursprünglich gebaut, um die Spaziergänger im Hafengebiet vor den rauen Wetterbedingungen, vor allem dem Wind, zu schützen. Der Name setzt sich aus dem französischen "parer" und "vent" zusammen und wurde im Volksmund auf "paravang" reduziert, was Windschutz bedeutet. Während der Belle Époque trafen zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander. Von den Bänken des Windschutzes aus konnten die besser gestellten und elegant gekleideten Badegäste stundenlang die betriebige, raue Welt der Fischer im Hafenviertel bestaunen.

Blankenbergse Caeye

In der nordöstlichen Ecke des Leopold-Parks (Ecke Franchommelaan / Leopoldstraat) befand sich vermutlich seit Anfang des 15. Jahrhunderts ein Innenhafen, der sogenannte Blankenberger Caeye. Über die „Waterloope van Blanckenberghe“, eine etwa 1,2 km lange Wasserstraße, wurde dieser Binnenhafen mit dem Blankenbergse Vaart-Kanal verbunden. Vor dem Bau des Brugse Steenweg im Jahre 1723 erfolgte der Transport von Fisch und der Personenverkehr nach Brügge hauptsächlich über den „Caeye“, einen Landungssteg für Boote und die dazugehörige "Waterloope". Mit dem Brugse Steenweg wurde der Innenhafen überflüssig. Bald wurde dieser nicht mehr genutzt und schlammte zu. Anderthalb Jahrhunderte später, etwa um 1870, hatte Blankenberge wieder einen Hafen (diesmal keinen Binnenhafen, sondern einen Seehafen).

Wussten Sie, dass...?

Am Ende des Ersten Weltkriegs versteckten sich einige fahnenflüchtige deutsche Soldaten im Spitzdach des Windschutzes, weil sie nicht mehr weiterkämpfen wollten.

3. Grote Markt - Großer Markt

Da die damaligen Marktplätze (Marktplatz am Alten Rathaus, die überdachten Markthallen in der Kerkstraat und der Buttermarkt) zu klein geworden waren, beschloss die Stadtverwaltung Ende des 19. Jahrhunderts, einen neuen Markt zu bauen. Als Standort entschied man sich für das westliche Viertel der Stadt, das damals kaum bebaut war und sich daher noch in voller Entwicklung befand. Der neue Markt wurde schließlich am 21. Juli 1899 in Betrieb genommen. Aufgrund seiner Abmessungen, etwa 200 m lang und 75 m breit, erwies sich der Platz als sehr geeignet für Veranstaltungen (Zirkusse, Paraden, Turnaufführungen und vieles mehr). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Markt auch als Parkplatz genutzt.

Vermisstes Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs

1921 wurde an der nordwestlichen Ecke des Großen Marktes ein Denkmal zum Gedenken an die Blankenberger Opfer des Ersten Weltkriegs errichtet. Dieses Kriegsdenkmal des Antwerpener Bildhauers Simon Goossens stellte einen knienden Soldaten dar, der mit einem gefallenen Kameraden trauert und von einer Frau getröstet und beschützt wird. Der Text auf dem Sockel lautete: "Das Land, das seine Helden verehrt, verehrt sich selbst." Bei der Neuanlegung des Großen Marktes im September 1986 wurde beschlossen, das Denkmal abzureißen. 1987 ließ der Stadtrat ein neues Kriegsdenkmal - den Soldaten alias "Rambo" - von der Künstlerin Irénée Duriez auf dem Platz De Langeplein errichten.

Wussten Sie, dass...?

Der Platz, an dem heute der Große Markt liegt, früher ein Sumpfgebiet und damit unbebautes Gebiet war. Es dauerte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, bis hier die ersten Häuser gebaut wurden.

4. Manitobaplein - Manitoba-Platz

Buttermarkt

Diese Freifläche zwischen Molenstraat und Langestraat entstand 1882 nach dem Abriss und der Enteignung der Rijkswachtkazerne (dt.: Gendarmeriekaserne) mit dem dazugehörigen "Gericht". Die frei gewordene Fläche wurde schon schnell als Marktplatz genutzt. Hier handelten Landwirte aus der Region vor allem mit Milchprodukten, wie Butter, Käse und Eier. Der Markt wurde dann auch im Volksmund "Buttermarkt" genannt. Auf dem Manitobaplein werden schon längst keine Märkte mehr abgehalten. Diese Funktion wurde vom Großen Markt übernommen. Der Manitobaplein hat sich zu einem gemütlichen öffentlichen Platz in der Innenstadt entwickelt. Ab 1974, als er zur Fußgängerzone gemacht wurde, ist der Platz noch attraktiver geworden.

Vom Kloster zur Gendarmerie

An der Nordecke dieses Platzes befand sich von 1796 bis 1881 eine Gendarmerie-Kaserne, die sogenannte Rijkswachtkazerne im alten Recolettenkloster, das 1540 von aus Brügge stammenden Franziskanern gegründet wurde. Diese Mönche hatten sich dann auf Wunsch des Stadtrates in Blankenberge niedergelassen, um bei der Versorgung von Pestkranken zu helfen. Die Pater kümmerten sich auch um das seelische Wohl und die Gesundheit der Blankenberger Bewohner. 1796 wurde das Kloster von den französischen Besatzern als Gendarmerie umfunktioniert. Während der niederländischen Zeit (1815-1830), als Belgien (die Südlichen Niederlande) und Holland (die Nördlichen Niederlande) vom König Wilhelm I. regiert wurde, diente das Gebäude weiterhin als Gendarmerie-Kaserne. Nach der belgischen Unabhängigkeit zog dann die belgische Gendarmerie ein. Die baufällige Kaserne wurde 1881 abgerissen. 1887 zog die Gendarmerie in die nagelneue Kaserne an der Ecke Kerkstraat / Scarphoutstraat (heute Sozialhaus).

Wussten Sie, dass...?

Als Hommage an das 12th Manitoba Dragoons-Regiment, die kanadische Einheit, die Blankenberge 1944 befreit hat, wurde der Buttermarkt 1945 in Manitobaplein umbenannt.

5. Kerkstraat (Oud Stadhuis)

Oud Stadhuis - Altes Rathaus

Das Alte Rathaus aus den Jahren 1679-1680 ist das älteste erhaltene Bürgerhaus in Blankenberge. Es wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut, aber seine aktuelle Größe ist die von 1680. Das Gebäude wurde bis 1894 als Rathaus genutzt. Danach diente dieses charmante Gebäude während der Badesaison als Kulturzentrum. 1937 wurde es von der flämischen Regierung unter Denkmalschutz gestellt. Seit den 1980er Jahren dient das Alte Rathaus als Ausstellungsraum.

Oude markt - Alter Markt

Der Platz neben dem Rathaus (Ecke Langestraat / Kerkstraat) wird seit Ende des 17. Jahrhunderts als öffentlicher Platz oder "Marct" genutzt. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fand hier mehrere Tage die Woche Markt statt. Dank seiner zentralen Lage im Herzen des Stadtzentrums erfreute sich dieser Marktplatz großer Beliebtheit, insbesondere bei Besuchern der Stadt. Bald wurde der Alte Markt zu klein und die Marktverkäufer begannen, ihre Stände auch in den angrenzenden Straßen aufzustellen. Kurzzeitig erwog der Stadtrat, das Alte Rathaus abzureißen, um den Marktplatz zu erweitern! Glücklicherweise wurde dieser Plan von der Koninklijke Commissie voor Monumenten (dt.: königliche Kommission für Denkmäler) abgelehnt. Mit dem Bau und der Inbetriebnahme des Buttermarktes 1882 und des Großen Marktes 1899 hatte sich die Notwendigkeit, den Alten Markt zu erweitern, von selbst erledigt.

Wussten Sie, dass...?

Das alte Rathaus wurde größtenteils aus Ziegelsteinen gebaut, die aus dem 1860 abgerissenen Spanischen Fort (an der Mündung des Blankenbergse Vaart-Kanals) stammten und wiederverwertet wurden.

6. Kerkstraat-Treppe

Kerkstraat-Treppe

Die Kerkstraat-Treppe war ursprünglich aus Holz und wurde um 1840 erbaut. Mit der Entstehung des Tourismus wuchs der Bedarf an einer stabilen und langlebigen Treppe. Deshalb wurde die Holztreppe 1855 durch einen Treppe aus Quaderstein ersetzt. Die heutige Kerkstraat-Treppe wurde 1900 vom Blankenberger Bauunternehmer Anselm Vernieuwe nach dem Entwurf des Brüsseler Architekten Emiel Hellemans gebaut. Charakteristisch sind die beiden beeindruckenden Löwen auf dem Sockel am Fuße dieser monumentalen Treppe. Die Kerkstraat-Treppe war ursprünglich mit vier gusseisernen Säulen (wie die Bakkersstraat-Treppe) verziert, die aber nicht mehr vorhanden sind. Eine dieser Säulen ist erhalten geblieben und befindet sich an der Ecke Graaf Jansdijk / Malecotstraat.

Kerkstraat

Die Kerkstraat ist eine der ältesten und wichtigsten Straßen von Blankenberge. Diese Hauptstraße zur Sankt-Antonius-Kirche lag bis 1788 auf Uitkerker Gebiet. In dieser Straße wurde auch das Rathaus aus dem 17. Jahrhundert erbaut. Seit dem Zusammenschluss mit Uitkerke im Jahr 1970 geht die Kerkstraat bis zur Sint-Amandus-Kirche in Uitkerke. Diese Straße ist schon seit dem 15. Jahrhundert gepflastert. Im 19. Jahrhundert wurde diese Straße zur Hauptstraße, in der sich der Tourismus durch den Bau von Hotels, Gasthäusern und Geschäften entwickelte, aber auch, weil sie die Verbindungsstraße zwischen dem Bahnhof und dem Zeedijk bildete.

Wussten Sie, dass...?

Blankenberge ist der einzige Badeort an der belgischen Küste, in dem man den Zeedijk vom Stadtzentrum aus über Treppen erreichen kann. 

7. Lippens - De Bruyne

Denkmal Lippens - De Bruyne

Dieses Denkmal, entworfen von Guillaume Charlier, wurde 1900 zum Gedächtnis an den Blankenberger Sergeanten Henri De Bruyne errichtet, der 1892 zusammen mit seinem Vorgesetzten, Lieutenant Lippens, im Kongo-Freistaat (dem späteren Belgisch-Kongo) ermordet wurde. Von diesem Bronze-Denkmal gibt es 2 Versionen: die ursprüngliche Version zeigt die beiden Offiziere mit der Figur einer nackten Afrikanerin und die geänderte Version ohne nackte Frau. Charliers ursprünglicher Entwurf wurde 1900 vom damaligen katholischen Bürgermeister Karel Deswert wegen "Sittenwidrigkeit" abgelehnt. Als das Denkmal jedoch 1922 neu gegossen wurde, nachdem die Deutschen es während des Ersten Weltkriegs für sich beansprucht und zur Herstellung von Kriegsausrüstung eingeschmolzen hatten, entschied sich der liberale Bürgermeister Arthur Pauwels sehr zur Freude des Künstlers für die Originalversion mit einer nackten Dame.

Henri De Bruyne

Sergeant De Bruyne wurde bestimmt viermal begraben. Kurz nach ihrem Tod wurden die Leichen von Lippens und De Bruyne in einem einfachen Grab mit Holzkreuz begraben. Beide Leichname wurden dann auf den europäischen Friedhof von Vieux Kasongo umgebettet, wo sie zusammen mit den sterblichen Überresten von drei weiteren gefallenen belgischen Soldaten begraben wurden. 1952 wurden die Toten erneut umgebettet, diesmal in ein beeindruckendes Denkmal in Vieux Kasongo, das zu Ehren dieser fünf Soldaten errichtet worden war. Als der Belgische Kongo am 1. Juli 1960 die Unabhängigkeit erlangte, wurde befürchtet, dass die Kongolesen das Grabdenkmal "schänden" würden. Aus diesem Grund haben belgische Soldaten die Gedenkstätte abgebaut und die Leichen auf den Friedhof des belgischen Armeestützpunkts Kamina überführt, wo sie noch immer in der Nähe einer Kapelle begraben sind, die von der belgischen Armee eigens für diese Opfer errichtet wurde.

Wussten Sie, dass...?

Der erste Kongolese, der in Belgien einen Hochschulabschluss gemacht hat, nämlich Paul Panda Fernana M'fumu (1888-1930), der Intellektuelle, der sich in der Zwischenkriegszeit als begeisterter Menschenrechtsaktivist und renommierter Wissenschaftler hochgearbeitet hatte, stand als 12-jähriger Junge Modell für das afrikanische Kind des Denkmals.

8. Casinoplein - Kasinoplatz

Ijzeren brug - Eiserne Brücke

1865 war die 20 m breite Uferpromenade bereits 800 m lang. Die nagelneue Promenade war aus Backstein errichtet und hatte eine Böschung aus Naturstein. Westlich der heutigen Malecothelling neben dem renommierten Hotel „Des Bains et des Familles“ wird die Promenade von einer Eisenbrücke unterbrochen, die die Gemeinde 1866 über den Dünen errichten ließ. Diese Brücke wurde im Volksmund "die eiserne Rampe" genannt. Dank dieser eisernen Brücke gab es nun einen direkten Durchgang zum Strand. 1879 ließ die Gemeinde die alte Brücke durch eine neue 8 Meter breite Brücke ersetzen.

Abbildung: Lithographie der ersten eisernen Brücke aus 1865. Sammlung Kunstpatrimonium Blankenberge

Hotel des Bains et des Familles

Das Grand Hotel des Bains et des familles wurde 1864 zwischen der Eisenbrücke und dem militärischen Festungsbau Fort Napoleon erbaut. Das Hotel gehörte damals zu den luxuriösesten Hotels an der belgischen Küste. Zur Zeit der Belle Époque sind hier viele angesehene Gäste aus dem In- und Ausland abgestiegen.

Auf dem heutigen Kasinoplatz gab es früher einen Park mit Kiosk, den sogenannten Lusthof, auch Platz oder "Botanikhof" genannt, wo Touristen im Grünen spazieren gehen und verweilen konnten. Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte der Gemeinderat das Hotel mit der Absicht, dort das Rathaus unterzubringen. Schließlich entschied man sich für einen Neubau am heutigen Standort hinter der Sankt-Antonius-Kirche. Das damals fast ein Jahrhundert alte Hotel wurde 1957 abgerissen.

Wussten Sie, dass...?

Als der österreichisch-ungarische Kronprinz Franz Ferdinand in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg seinen Urlaub in Blankenberge verbrachte, stieg er immer in einem Flügel des Hotels des Bains et des Familles ab, der eigens für ihn und seine Entourage gemietet wurde.

9. Sint-Rochusplein - St.-Rochus-Platz

Sint-Rochuskerk - St.-Rochus-Kirche

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurde die Sankt-Antonius-Kirche in der touristischen Hochsaison zu klein und bot nicht mehr genug Platz für sowohl die Einheimischen als auch die zahlreichen Besucher. Der Bau einer neuen Kirche wurde dringend notwendig. 1885 wurde in der Verlängerung der Molenstraat eine Kirche im neoromanischen Stil nach den Plänen des Architekten Josef Hoste errichtet. Diese brandneue "Saisonkirche" wurde mit sage und schreibe 1800 Plätzen 1889 in Betrieb genommen. Am 1. Juni 1896 wurde die Kirche von Bischof Waffelaert, der von 1871 bis 1875 Kaplan der Sankt-Antonius-Kirche war und 1895 zum 22. Bischof von Brügge ernannt wurde, feierlich eingeweiht.

Sint-Rochuswijk - St-Rochus-Viertel

Die Grundstücksteilung des St.-Rochus-Viertels reicht bis ins letzte Viertel des 19. Jahrhunderts zurück. Dieser Stadterweiterung in östlicher Richtung folgte kurz darauf mit dem Bau des Grand Place im Jahr 1899 eine Ausdehnung nach Westen. Beide Grundstücksteilungen veranschaulichen, wie langsam außerhalb der Grenzen des mittelalterlichen Stadtzentrums (das Gebiet zwischen der heutigen Weststraat, Onderwijsstraat, Zeedijk und Steenstraat) gebaut wurde. Typisch für das St.-Rochus-Viertel sind die vielen Ferienhäuser, die dort damals für und im Auftrag von wohlhabenden Touristen gebaut wurden. Ein gutes Beispiel dafür sind die drei 1894 gebauten Jugendstil-Villen in der Elisabethstraat 24. Diese schönen Bürgerhäuser wurden 2008 restauriert und in ein Besucherzentrum umgebaut. Hier können Sie in die unbeschwerte und festliche Atmosphäre eintauchen, die Blankenberge zur Zeit der Belle Époque ausstrahlte.

Wussten Sie, dass...?

Die Turmspitze der St.-Rochus-Kirche stammt aus dem Jahr 1903 und wurde von dem Architekten Marcel Hoste entworfen, dem Neffen des 1899 verstorbenen Architekten Josef Hoste.

10. Descampsplein - Descamps-Platz

Descampsstraat und Descampsplein

Platz und Straße sind nach Gustave Descamps benannt. Dieser wohlhabende Mann besaß, wie Michel Van Mons, zahlreiche Grundstücke nördlich des Jules de Troozlaan, der Ende des 19. Jahrhunderts parzelliert und mit Straßen (der heutigen Descampsstraat und Van Monsstraat) ausgestattet. Damit wurde ermöglicht, dass die Stadt sich in östliche Richtung weiter entwickeln und ausdehnen konnte. Die Gebäude in der Descampsstraat stammen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Auffallend an den Häusern in dieser Straße, die zum Großteil von dem ortsansässigen Architekten Felix Cosman entworfen wurden, sind die vielen Ornament-Wandfliesen und Flächengestaltungen aus einfarbig glasierten Ziegeln, die zu den schönsten von Blankenberge gehören.

Descampsplein - Descamps-Platz

Auf diesem Platz, der in der Verlängerung der Descampsstraat liegt, befanden sich anfangs die Tennisplätze des Lawn-Tennis-Clubs. Die Anwesenheit dieser Tennisplätze trug zur Weiterentwicklung dieses neuen Stadtviertels bei. Sowohl die Eigentümer der zahlreichen Ferienhäuser, die dort damals gebaut wurden, als auch die wohlhabenden Blankenberger mit Sport-Faible haben diese Tennisplätze ausgiebig genutzt. Am 13. September 1936, als Arthur Pauwels das Bürgermeisteramt bekleidete, wurde auf dem Platz ein Denkmal zum Gedenken an die Blankenberger errichtet, die vor 1908 im Kongo (damals in Privatbesitz von König Leopold II.) ihr Leben gelassen haben.

Abbildung: Details aus einem Stadtplan aus dem Jahr 1910, auf dem der Lawn-Tennis-Club auf dem heutigen Descampsplein eingezeichnet war.

Wussten Sie, dass...?

Der Oostpoortwatergang ist eine Wasserstraße, die vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die östliche Grenze zwischen der Pfarrgemeinde Blankenberge und der Herrlichkeit Uitkerke bildete und direkt am Descampsplein vorbeiführte und am heutigen Jules de Troozlaan und A. Ruzettelaan entlang bis zur letzten Seedeich-Böschung reichte. 

11. Rotonde Pier

Der Pier: eine ereignisreiche Geschichte

Dieses einzigartige Bauwerk (der einzige Pier an der belgischen Küste) kann auf eine sehr ereignisreiche Geschichte zurückblicken. Seit dem Bau des ersten Piers wurde das Hauptgebäude dreimal umgebaut. Dem ersten Pier, eine gusseiserne Konstruktion aus den Jahren 1893-94, war kein langes Leben beschert: Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde der Pier von den Deutschen gesprengt. Erst 1933 wurde ein neuer Pier gebaut, diesmal aus Beton. Der Betonpier überlebte den Zweiten Weltkrieg, erwies sich aber als nicht widerstandsfähig gegen das raue Meeresklima und das Meerwasser und zeigte bald Korrosionsschäden (Lochfraß). Nach mehreren halbherzigen Versuchen wurde Ende der 1990er Jahre beschlossen, das Hauptgebäude komplett zu sanieren. Das neue Hauptgebäude wurde 2003 fertiggestellt. Mit der Sanierung des 350 Meter langen Spazierteils wird 2020 begonnen.

Der Pier, ein Muss für Blankenberge

Der Pier ist ein typisch britisches Phänomen, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch auf das europäische Festland übergeschwappt ist. Ein Pier ist eine rechtwinklig zum Ufer angelegte Promenade, die in das Wasser hinausragt, damit Spaziergänger die gesunde Meeresluft und natürlich auch ein einzigartiges Panorama auf das Meer und den Badeort genießen konnten. Selbstverständlich durfte in dem modischen Badeort Blankenberge ein solches Bauwerk am Ende des 19. Jahrhunderts nicht fehlen. Ursprünglich wurde vorgeschlagen, den ersten Pier als Verlängerung der Kerkstraat zu errichten, eine Idee, die schnell abgelehnt wurde, da der Bau "den Badeort in zwei Teile geteilt hätte". Schließlich entschied man sich, den Pier am östlichen Ende des Seedeichs zu bauen. Mit dem Pfahlbau auf der Westseite und dem Pier auf der Ostseite hatte der Badeort nun eine Deichpromenade, die an beiden Enden verlängert worden war.

Wussten Sie, dass...?

Der "Retter" unseres Piers, der deutsche Unteroffizier Karl-Heinz Keseberg, der im Sommer 1944 den Befehl zur Sprengung des Piers ignorierte, wodurch der Pier den Krieg unversehrt überlebt hat, kehrte 1994 - 50 Jahre nach seiner großen Tat - nach Blankenberge zurück, wo er vom damaligen Stadtrat feierlich empfangen und bedankt wurde.

12. Sealife Centre Blankenberge

Nordsee-Schwimmbad

Bereits 1945 plädierte Eugeen Vandermarliere, liberaler Politiker und Gründer des Blankenberger Schwimmvereins, für den Bau eines vollwertigen Schwimmbades in Blankenberge. Uneinigkeit über einen geeigneten Standort (Franchommelaan, De Smet de Naeyerlaan, Standort des Wasserschlosses, Leopoldpark und andere Vorschläge) sorgte dafür, dass sich die Klärung dieser Angelegenheit jahrzehntelang hinzog. Schließlich entschied man sich für die Einbettung des nagelneuen Schwimmbades in das östliche Viertel der Stadt. Das städtische Schwimm- und Freizeitzentrum wurde 1976 eröffnet. Einzigartig war die Verwendung von gefiltertem und beheiztem Meerwasser. Die Schwimmbadanlage verfügte nicht nur über ein Hallenbad, sondern auch über ein Freibad mit olympischem Sportbecken (50 m x 21 m). Das Freibad wurde 1991 geschlossen. Auf dem Gelände des ehemaligen Freibades mit angrenzenden Liegewiesen und Tribüne wurde das Sea Life Centre Centre gebaut, das 1995 seine Eröffnung feierte und sich seitdem zu einer der wichtigsten Allwetterattraktionen Blankenberges entwickelt hat.

Umstrittene Campingplätze im Oostkwartier

Im östlichen Viertel (Oostkwartier) von Blankenberge befanden sich seit der Zwischenkriegszeit und besonders nach dem Zweiten Weltkrieg viele Campingplätze. Diese ersten Campingplätze waren sehr einfach gestaltet und die hygienischen Bedingungen ließen oft viel zu wünschen übrig. Die meisten Campingplätze hatten in der Regel keine geeigneten sanitären Einrichtungen, Beleuchtung, Mülleimer oder andere Annehmlichkeiten. Bald schön fühlten sich die Anwohner von der Ruhestörung und anderen Problemen belästigt, insbesondere in den 1960er Jahren mit dem Aufkommen der Hippie-Bewegung, als Sitte und Moral über Bord geworfen wurden. Auch der örtliche Hotelbranche waren diese Campingplätze ein Dorn im Auge und sie reagierte sichtlich erleichtert, als der Stadtrat Ende der 1960er Jahre beschloss, die gegen das Gesetz verstoßenden Campingplätze zu schließen und zu räumen. Im regionalen Raumordnungsplan war eine neue Campingzone entlang des Polderlaan geplant. Durch die Räumung der Campingplätze im Dreieck zwischen Koning Albertlaan und A. Ruzettelaan hatte der Stadtrat nach fast drei Jahrzehnten endlich den geeigneten Standort für den Bau des Schwimmbades gefunden.

Wussten Sie, dass...?

In der Nähe des heutigen Nordseebades gab es in der Blütezeit der Belle Époque eine Pferderennbahn oder ein Hippodrom mit einer mehr als 1300 m langen Sandpiste, die wegen fehlendem Interesse und einem Engpass an Pferden nur für einen kurzen Zeitraum von 1893 bis 1896 genutzt wurde.

Abbildung: Das Hippodrom von 1893 bis 1896 in der Nähe des Nordseebades. Sammlung Stadtarchiv-De Benne.

13. Rund um Punkt Zeebruggelaan

Zeebruggelaan (zwischen Bahngleisen und Zeebrugge)

Diese Verbindungsstraße von der heutigen Kerkstraat nach Zeebrugge liegt größtenteils an einem Deich, dem sogenannten 2. Evendijk oder Evendijk B, der wahrscheinlich um 1100 errichtet wurde, um das dahinter gelegene Land vor Überschwemmungen zu schützen. Durch den Bau des Evendijk B konnten mehrere Siedlungen hinter diesem Deich zu Pfarrgemeinden heranwachsen, darunter Lissewege, Dudzele, Oostkerke, Westkapelle, aber auch Uitkerke. Während einer heftigen Sturmflut im Jahre 1134 wurde der Evendijk B an mehreren Stellen, unter anderem beim historischen Bauernhof Raaswalle vom Meer durchbrochen. Die Spuren dieser Sturmflut sind in der heutigen Landschaft immer noch zu erkennen: die sogenannten Fingerlinge oder bogenförmigen Deiche, die an der Stelle des Deichbruchs oder der Deichbresche gebaut wurden. Der Evendijk B führt weiter bis Zwin und biegt dort in Richtung Damme ab. Der Deichabschnitt zwischen Blankenberge und Zeebrugge bekam 1961 den Namen Zeebruggelaan. Vor 1900, als Zeebrugge noch nicht existierte, war der Evendijk B eine wichtige Verbindungsstraße zwischen Uitkerke und Heist.

Zeebruggelaan (zwischen Bahngleisen und Kerkstraat)

Der Abschnitt des Zeebruggelaan zwischen den Bahngleisen und der heutigen Kerkstraat wurde kurz vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut und hieß früher Statiestraat. Durch die Abschaffung des Bahnhofs von Uitkerke im Jahr 1957 und um Verwechslungen mit der bestehenden Stationsstraat (dt.: Bahnhofstraße) von Blankenberge zu vermeiden, wurde 1970 nach dem Zusammenschluss beschlossen, diesen Teil auch Zeebruggelaan zu nennen. Dieser Abschnitt befindet sich jedoch nicht auf der Strecke des ursprünglichen Evendijk B. Dieser Deich verlief von diesem runden Punkt aus in gerader Linie über die Colombusstraße weiter zum heutigen Evendijk Oost und Evendijk West bis zum Oostdijk (heutige Willem Tellstraat). Wo der Evendijk B in die heutige Kerkstraat mündet (T-Kreuzung), gab es früher eine Mühle, die sogenannte Oostmolen van Uitkerke, die den Herren von Uitkerke gehörte. Diese Mühle wurde nach 1400 in westliche Richtung verlegt, genauer gesagt auf das Gelände an der Ecke Scharebrugstraat / Blankenbergse Dijk, wo bis ins 19. Jahrhundert eine Mühle gestanden hat. Der Stadtteil rund um diese ehemalige Mühle wird immer noch Molenhoek (dt.: Mühleneck) genannt.

Wussten Sie, dass...?

Das älteste erhaltene Bauerngehöft von Blankenberge, der Bauernhof "Raaswalle", der am Zeebruggelaan 163 gelegen ist, stammt aus der Zeit um 1200 und wurde auf einem Fluchthügel oder Terp (Warft) direkt hinter dem zweiten Evendijk gebaut.

14. Kasteel Uitkerke - Burg Uitkerke

Kasteel Uitkerke - Burg Uitkerke

Die Burg von Uitkerke stammt aus der Zeit um 1070. Gebaut auf einem Warft (Terp bzw. Fluchthügel) lag sie sicher hinter dem Evendijk B geschützt. Rund um die Burg gab es einen Graben. Es war die Wohnstätte des Herrn von Uitkerke, der sein Lehen, die Herrlichkeit von Uitkerke (zu der auch die Pfarrgemeinde Blankenberge gehörte) von dieser Burg aus überwachte und die Einkünfte kontrollierte. Der älteste bekannte Herr von Uitkerke ist Jan van Uitkerke. 1270 wurde Blankenberge ein autonomes Stadtrecht gewährt und wurde Herr von Uitkerke von der flämischen Gräfin für den Verlust dieser seiner Gerichtsbarkeit unterliegenden Pfarrgemeinde entschädigt. Im 14. Jahrhundert fiel die Herrlichkeit Uitkerke in die Hände der Familie Halewijn. Im 16. Jahrhundert ging der Lehnsbesitz an die Familie Claerhout und im 18. Jahrhundert wurde er auf die Familie de Croÿ de Heren von Uitkerke übertragen. Am Ende des 18. Jahrhunderts schafften die französischen Besatzer alle Herrlichkeiten ab, auch die von Uitkerke. Anne Emmanuel de Croÿ war die letzte Herrin von Uitkerke. Im Laufe der Geschichte wurde die Burg von Uitkerke regelmäßig zerstört und wieder aufgebaut. Erhalten geblieben ist nur noch ein Teil der Mauer und das Wohngebäude mit einer imposanten Rokoko-Fassade aus dem Jahr 1763. Seit 2003 steht die Burg Uitkerke unter Denkmalschutz.

Parc De Craene

Dieser Park trägt den Namen des Beigeordneten für Bildung Alexandre De Craene (1860-1924), der 1919 ein ehemaliges Hotel in eine Schulkolonie mit dazugehörigem Bauernhof für kranke Schaarbeeker Kinder umbauen ließ. In der Schule konnten 65 Schüler untergebracht werden. Die Ecole De Craene lag nur wenige Gehminuten vom Strand entfernt. Die Schüler unternahmen oft Ausflüge ans Meer, um die gesunde Meeresluft zu schnuppern. Neben dem normalen Unterricht und Gymnastikübungen halfen die Schüler auch bei den täglichen Aufgaben auf dem Bauernhof, in der Wäscherei und in der Küche. Die Schlafsäle der Jungen befanden sich im zweiten Stock. Die Mädchen schliefen im Erdgeschoss. Die Schule schloss 1965 ihre Pforten. 1980 wurde das Schulgebäude dem Erdboden gleichgemacht. Auf dem Gelände dieser ehemaligen Schulkolonie wurde dann ein Park angelegt.

Wussten Sie, dass...?

"Le Pavillon de chasse", eine romantische Geschichte aus "Récits et legendes des Flandres" der Schriftstellerin Caroline Popp aus dem Jahr 1867, spielt im Schloss von Uitkerke und handelt von der unmöglichen Liebe zwischen dem Sohn des Herrn von Uitkerke und der Tochter des Vorsitzenden der Blankenberger Fischereikammer.

15. Sint-Amanduskerk - St.-Amandus-Kirche

Pfarrgemeinde Uitkerke

Die ersten Siedlungen auf Uitkerker Gebiet stammen aus dem 8. Jahrhundert. Die älteste urkundliche Erwähnung Uitkerkes (Utkerkca) stammt aus dem Jahr 1058. Die Herrlichkeit von Uitkerke muss um 1070 gegründet worden sein, als die Burg von Uitkerke gebaut wurde. Die erste Besiedlung konzentrierte sich hauptsächlich auf das Gebiet zwischen der 1089 gegründeten Pfarrkirche und der Burg Uitkerke. Das Gebiet von Uitkerke erstreckte sich damals auf die Pfarrgemeinden Wenduine, Sint-Jan-op-den-dijk und Scarphout (später Blankenberge). 1270 wurde Blankenberge zur Stadt erhoben und damit der Verfügungsgewalt des Herrn von Uitkerke entzogen. Als Ausgleich für diesen Verlust wurde dem Herrn van Uitkerke das sogenannte Mühlenrecht gewährt. Nach diesem Recht waren die Blankenberger verpflichtet, ihr Korn in die Mühlen des Herren von Uitkerke zu mahlen und ihm auch einen Teil (ein Vierzehntel) des gemahlenen Korns abzugeben. Dieses Mühlenrecht blieb bis etwa 1800 bestehen. Seit 1970/71 wurde die große ländliche Gemeinde Uitkerke in die Nachbargemeinde Blankenberge eingemeindet, wodurch die Einwohnerzahl und auch das Gebiet von Blankenberge bedeutend zugenommen hat.

Sint-Amanduskerk - St.-Amandus-Kirche

Die Pfarrkirsche von Uitkerke ist dem Heiligen Amandus gewidmet, dem Schutzpatron der Brauer, Weinhändler, Gast- und Schankwirte, Apotheker und Drogerien. Die Bewohner von Uitkerke hatten vermutlich schon 1089 eine eigene Pfarrkirche. Diese wurde auf einem der 4 Terpen oder Warften hinter dem Evendijk B und nördlich des Dulleweg(Deiches) errichtet. Das bestehende Kirchengebäude stammt wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert und wurde im Laufe der Zeit mehrere Male zerstört, renoviert und restauriert. Durch den Bau des Brugse Steenweg im Jahre 1723 musste ein Teil des Friedhofs rund um die Kirche geräumt werden und stand die Sakristei schließlich auf dieser „Steinstraße“, allerdings nicht auf dem gepflasterten Teil, sondern auf dem unbefestigten. Im 19. Jahrhundert war die Kirche so baufällig, dass beschlossen wurde, eine neue und größere Kirche im neugotischen Stil um die bestehende Kirche herum zu bauen. Diese Pfarrkirche ist die einzige Kirche nördlich von Brügge, die dem heiligen Amandus geweiht ist. Diese Kirche unterscheidet von den meisten anderen Kirchen, dass der Turm nicht im Mittelschiff, sondern im Seitenschiff angeordnet ist.

Wussten Sie, dass...? 

Bis zur Grenzänderung im Jahre 1901 gehörte zu Uitkerke auf der Ostseite des heutigen Blankenberge ein etwa 2,5 km langer Strandabschnitt, der im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts auch als Badestrand genutzt wurde.

16. Rotonde Friedhof

Geschichte des Blankenberger Friedhofs

Der ehemalige Friedhof von Blankenberge war rund um die Sankt-Antonius-Kirche gelegen. Da der Boden um diese Kirche herum sehr feucht war, kamen die Särge ins Rutschen. Der Friedhof bot für die Touristen, die ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreich nach Blankenberge kamen, einen erschütternden Anblick, und auch die Nähe des Schlachthofs (auf dem Gelände des heutigen Rathauses) wurde als unangenehm empfunden. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts begann die Gemeinde, einen neuen Standort am Stadtrand von Blankenberge zu suchen. Schließlich kaufte man von der Nachbargemeinde Uitkerke ein Stück Land in der Scharebrugstraat. Die Einweihung des neuen Friedhofs fand am 11. Mai 1911 statt und ein Jahr später wurde er in Gebrauch genommen. Ein großer Teil der Grabsteine des alten Friedhofs wurde auf den neuen Friedhof umgesiedelt. Nach der Räumung des alten Friedhofs wurde 1924 rund um die Sankt-Antonius-Kirche ein Park angelegt. Der Friedhof in der Scharebrugstraat wurde inzwischen bereits mehrere Mal erweitert und umfasst derzeit eine Fläche von fast 50.000 qm.

Ehrengräber

Neben Tausenden von einzelnen Grabdenkmälern hat der städtische Friedhof in der Scharebrugstraat auch eine Reihe bemerkenswerter Ehrengräber. In der britischen Kriegsgräberstätte haben die britischen Opfer des Ersten Weltkriegs, insbesondere die Opfer des gescheiterten Angriffs (Raids) auf Zeebrugge am 23. April 1918 (Saint George’s Day) ihre letzte Ruhe gefunden. Im Ehrengrab zum Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs liegen 80 britische und 3 alliierte Soldaten begraben. Bei den meisten handelt es sich um Besatzungsmitglieder eines britischen Transportschiffes, das am 7. November 1944 vor dem Hafen von Oostende auf eine Mine gelaufen und gesunken war. Im monumentalen Ehrengrab „Moedersmart“ (dt.: Mutterschmerz), benannt nach dem gleichnamigen Denkmal des Künstlers Guillaume Charlier, sind die Blankenberger Soldaten und politischen Gefangenen begraben, die während des Ersten und Zweiten Weltkriegs und während des Koreakrieges ihr Leben gelassen haben. Im Ehrendenkmal „De Plicht“ (dt.: Die Pflicht) liegen Blankenberger begraben, die bei der Erfüllung ihrer Pflicht ums Leben kamen, darunter die fünf Seeretter, die 1889 bei der Rettung des französischen Schiffes Nominoë ertranken.

Wussten Sie, dass...?

Der Sohn von Karel Deswert, Bürgermeister von Blankenberge von 1896 bis 1906, forderte 1958 für den Karel Deswertlaan eine Namensänderung, weil er es nicht für angemessen hielt, dass eine Straße, die zu einem Friedhof führte, nach seinem Vater benannt worden war.

Abbildung: Porträt des Bürgermeisters Karel Deswert. Sammlung Stadtarchiv-De Benne.

17. Stadhuis - Rathaus

Stadhuis - Rathaus

Das heutige Rathaus stammt aus dem Jahr 1952 und wurde auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs aus dem Jahr 1876 errichtet, der vom Architekten Josef Hoste entworfen wurde. Deshalb wurde die Straße westlich des Rathauses früher Slachthuisstraat (dt.: Schlachthofstraße) genannt. 1947 wurde die Straße in Ontmijnersstraat umbenannt, im Gedenken an die 18 Minenräumer der belgischen Armee, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Minenräumung der Stadt ums Leben gekommen waren. Auch im unteren Saal des Rathauses wird auf einer Gedenktafel mit den Namen der toten oder hingerichteten Blankenberger Bürger, Widerstandskämpfer und politischen Gefangenen der Kriegsopfer des Zweiten Weltkriegs gedacht.

Zwischen 1909 und der Inbetriebnahme des Rathauses waren die städtischen Verwaltungsdienste in einem Nebengebäude der Rijksmiddelbareschool (dt.: Staatlichen Gymnasiums) untergebracht, weil das Alte Rathaus in der Kerkstraat zu klein geworden war.

Die Fläche hinter dem neuen Rathaus wurde mit dem Bau eines Parks (Albert I-Park) mit verschiedenen Skulpturen von unter anderem Hubert Minnebo, Fernand Vonck und Gerard Holmens verziert, und im Garten an der Vorderseite wurde 1968 ein Kunstwerk mit Brunnen, die „7 zeikertjes“ (dt.: 7 Feiglinge) des Bildhauers Henri Lannoye aufgestellt.

Seit 1952 ist auch das Polizeikommissariat im Rathaus untergebracht. Vor etwa zehn Jahren wurde das Polizeikommissariat durch den Bau eines neuen Flügels im hinteren Teil des Rathauses stark erweitert.

Stadhuis (Rathaus) = Museum

In den öffentlichen Bereichen im ersten Stock des Rathauses sind viele Kunstwerke bekannter Künstler zu bewundern. Beispielsweise gibt es einen Raum, der dem bekanntesten belgischen Grafiker Frans Masereel gewidmet ist, der 1889 in Blankenberge geboren wurde. Im Rathaus sind ein Dutzend Holzschnitte und 1 Ölgemälde von ihm zu sehen. Beeindruckend ist auch die Galerie der Bürgermeister im monumentalen Festsaal, eine Galerie mit 17 lebensgroßen Bürgermeisterporträts, die von Edmond Vander Haeghen, Armand Van Reck, Leo van Paemel und anderen Künstlern gefertigt wurden. Zu beiden Seite des imposanten Kamins im Festsaal befinden sich die großen Gemälde "Vissers" (dt.: Fischer) und die "Bennedraagsters" (dt.: Fahnenträger) von Alexander Verhaeghe. Ein besonderer Blickfang ist zweifellos das Gemälde "Slag van Sluis“ (dt.: Schlacht der Schleuse) von Francois Musin und das riesige Panoramagemälde "Panoramisch strandgezicht“ von Louis van Engelen, ein 14 Meter langes Gemälde mit einer sehr wahrheitsgetreuen Darstellung des Zeedijk und des Strandes von Blankenberge im Jahr 1897. Besucher sollten unbedingt auch einen Blick auf Guillaume Charliers Basrelief "De boottrekkers" (dt.: Die Treidler oder auch Schiffszieher) werfen sowie auf das zwei Meter lange Modell des Blankenberger Lastkahns B1, das auf einem wunderschön verzierten Sockel des lokalen Kunstschmieds Georges Riemaker ausgestellt ist.

Alle Kunstwerke sind während der Öffnungszeiten des Rathauses kostenfrei zu besichtigen.

Wussten Sie, dass...?

Der Architekt des Rathauses hatte ursprünglich ein Gebäude mit Turm entworfen. Dieser Entwurf durfte nicht ausgeführt werden, weil ein damaliger Beigeordneter, ein begeisterter Taubenzüchter war, keinen Turm wollte, angeblich aus Angst, dass es den Flug seiner Wettkampftauben stören könnte.

18. Sankt-Antonius-Kirche

Die Kapelle Unserer Lieben Frau von Scarphout

Die erste Kirche, die den Bewohnern von Blankenberge zur Verfügung stand, war die Kapelle Unserer Lieben Frau von Scarphout. Scarphout war der Name des Grundstücks rund um diese Kapelle, gelegen an der heutigen Ecke Bakkersstraat / Breydelstraat. Vermutlich bedeutet Scarphout "scharfes Holz" und wird daher auf den Sanddorn verwiesen, ein stacheliger Strauch, der (auch) damals viel in den Dünen vorkam. Im Leben der frommen Fischer nahm die Kapelle einen zentralen Platz ein. Als die Blankenberger 1328 gegen die hohe Steuerlast rebellierten, bestraften die flämischen Grafen die rebellischen Einwohner mit der Schließung ihrer Kapelle. Erst 1330, nachdem die Blankenberger der Akte van Verzoeninghe (dt.: Versöhnungsakt) zugestimmt hatten, in dem sie dem flämischen Grafen völlige Unterwerfung und blinden Gehorsam versprachen, durfte die Kapelle wieder ihre Pforten öffnen. Nur vier Jahre später hatten die frommen Bewohner ihre Kapelle endgültig verloren. Während einer schweren Sturmflut am 23. November 1334 (der sogenannten Sint-Clemens-Flut) wurde die Kapelle irreparabel beschädigt, was den Bau einer neuen Kirche weiter im Landesinneren und damit besser vor Überschwemmungen geschützt, erforderlich machte. 

Eine neue Kirche für Blankenberge in .... Uitkerke

Nach dem Verlust der Unsere Liebe Frau-Kapelle von Scarphout gewährte der flämische Graf 1335 ein Grundstück, für das er auf das Grabrecht verzichtete und auf dem die Blankenberger eine neue Kirche, die spätere Sankt-Antonius-Kirche, bauen durften. Bemerkenswert war, dass dieses Grundstück, genannt „Ghentele“, ein paar hundert Meter außerhalb der damaligen Stadtgrenze und damit auf dem Gebiet von Uitkerke lag. Infolgedessen mussten die Blankenberger bei jedem Kirchgang die Stadtgrenzen verlassen. Der Landstreifen zwischen Stadtgrenze und Kirche wurde "Keure" genannt und gehörte zu einer anderen Gerichtsbarkeit, die der „Brugse Vrijde“. Diese ungewöhnliche Situation führte regelmäßig zu Grenzvorfällen. So wurden in Blankenberge Bier und Wein höher besteuert als in Brugse Vrijde, was bald zur Eröffnung mehrerer Gaststätten auf der „Keure“ führte, die den Blankenberger Gastwirten die Kundschaft abspenstig machten. Die "Keure" wurde auch für die Ordnungskräfte der Brugse Vrije der geeignete Ort, kriminelle Blankenberger festzunehmen, da sie in Blankenberge dazu nicht berechtigt waren. Erst 1788 wurde die "Keure" in Blankenberge eingemeindet. Uitkerke erhielt als Ausgleich dafür zwei Gebiete mit einer ähnlichen Fläche östlich und westlich von Blankenberge.

Wussten Sie, dass...?

Die Sankt-Antonius-Kirche war ursprünglich doppelt so groß, wurde aber nach der gründlichen Zerstörung dieser Kirche durch die Watergeuzen, Kaperfahrer, die während des Achtzigjährigen Krieges für die Unabhängigkeit der Niederlande kämpften, im Jahre 1572 nur zur Hälfte wieder aufgebaut.